Sellrain – alternative Einblicke in die Tour

Ergänzend zur Beschreibung von Rebecca gibt es hier kurze Eindrücke zu den alternativen Routenabschnitten.

Der Beitrag von Rebecca ist hier zu finden: Sellrain – von Hütte zu Hütte zu Hütte

Tag 1: Von Kühtai über die Schweinfurter Hütte zur Pforzheimer Hütte
Pünktlich zum Start des verrückt anmutenden Chaos des Hindernislaufs nebenan, machen wir uns auf in unser ganz eigenes Abenteuer. Direkt von der Kirche in Kühtai  geht es bei bestem Wetter hinauf zum Speichersee Finstertal. Eingebettet in die grüngraue Berglandschaft wirkt die Staumauer imposant und zugleich befremdlich. Ein angenehmer Pfad führt als gute Aufwärmübung die ersten 300 Höhenmeter hoch zum See. Nur auf den letzten Metern Aufstieg vor dem Speichersee queren wir einige Male die Auffahrtsstraße – für den Rest der Tour sollen das jedoch schon fast die letzten Meter auf befestigten Wegen gewesen sein.
Nachdem wir den türkisblauen See hinter uns gelassen haben, geht es zuerst noch umgeben von begrünten Felsen und schließlich über die ersten Geröllfelder hinauf Richtung Finstertaler Scharte, wo wir unsere ersten gipfelnahen Atemzüge der Tour über 2700m nehmen. Weiter geht es zur Schweinfurter Hütte, die wir schließlich nach nicht einmal vier Stunden für die erste Einkehr nutzen. Für so manchen (vernünftigen?) Wanderer wäre die Tagesetappe hier beendet, doch wir haben die Pforzheimer Hütte als Ziel auserkoren und machen uns so nach kurzer Pause wieder auf den Weg. Bloß nicht zu bequem machen…
Nach sanftem Anstieg am Bachlauf entlang biegen wir schließlich in nordöstlicher Richtung ab zum Zwieselbacher Roßkogel und kämpfen uns knapp an die 3000 Meter Marke aufs Joch. Der zweite Anstieg fordert die nicht mehr ganz so frischen Beine, Gepäck wird umverteilt um bei den Tour-Neulingen noch Kraft-Reserven für die nächsten Tage zu erhalten. Bei aller Anstrengung bleibt genug Zeit den genialen Ausblick auf die umliegenden Berge sowie das tolle Wetter zu genießen. Oben angekommen wird nochmal ordentlich gevespert, die Pforzheimer Hütte bei angeschriebenen 1,5h bereits im Blick.
Runter wählt jeder sein eigenes Tempo und so kommen wir leicht versetzt an der Hütte an, wo wir von der verräterisch sonnengeröteten Rebecca und Bärbel nicht unweit der sichtlich bequemen Hängematten in Empfang genommen werden.

 

Tag 2: Zweiter Abschnitt vom Westfalenhaus zur Winnebachseehütte
Nachdem wird den ersten Teil der Etappe gemeinsam gelaufen sind, verabschieden wir uns an der Kreuzung vom Rest der Gruppe und machen als Erstes einen erfrischenden Halt am Westfalenhaus. Quasi direkt vom Tisch geht es auf den Pfad Richtung „Hoher Seeblaskogel“. Der Tolle Ausblick wird lediglich ein bisschen von der Gewissheit getrübt, dass es definitiv nur in eine Richtung weitergeht – steil bergauf. Fünfundvierzig Minuten nach dem Aufbruch vom Westfalenhaus stehen wir schließlich vor einer 700m hohen Wand, unserer letzten harten Aufgabe für heute.
Vorneweg sprintet Stefan, unser stärkster Wanderer, der stets den Spagat zwischen Antreiber und Unterstützer schafft. Den Split von der Truppe und den steilen Anstieg vor sich nutzt er zum Austoben. Keine Pause, kein Durchatmen. Wanderer gegen Berg. Ich hänge mich so gut es geht hinten ran, verliere aber aufgrund des vorgelegten Tempos bald den Anschluss und wegen der Zwischenplateaus irgendwann auch den Sichtkontakt. Hier kämpft jeder für sich.
Milena und Tobias sind meist in Blick- und Hörweite hinter mir und schlängeln sich die Serpentinen entlang den Berg hinauf. Für Genuss ist hier wenig Platz, aber der erwartete Ausblick und die bisherige Tour geben ausreichend Ansporn. Nach schier unzähligen „Das muss es jetzt aber gewesen sein“-Momenten und aufregenden Balanceakten über nahezu unmarkierte Steinfelder wird schließlich der Blick auf das Schneefeld vom „Grüne Tatzen Ferner“ frei. Fast geschafft. Weit voraus jagt ein schwarzer Schemen über das Eis – Stefan, der geschwind noch den Zusatzgipfel vom hohen Seeblaskogel etwas abseits unserer eigentlichen Route in Angriff genommen hat um sich die Wartezeit zu vertreiben.
Auf dem Bergkamm treffen wir vier uns schließlich zur gemeinsamen Pause mit sagenhaften Blicken auf den Gletscher „Bachfallenferner“ wieder. Runter geht’s über den Kamm und dann schließlich entlang der „Grünen Tatzen“ bis zum Gletschersee. Mittlerweile leidet die Konzentration unter der Länge der Tour und wir sind nicht mehr ganz so trittfest. Da kommt das im Vergleich fast schon eben anmutende letzte Stück zur Winnebachseehütte gerade gelegen. Wir genießen das teils federnde Grün –  ein willkommener Kontrast zu den letzten steinigen Kilometern. Wir werden vom tosenden Wasserfall und (Beifall) vom Rest der Gruppe herzlich begrüßt – geschafft 🙂

 

Mein kleines Zusatzfazit:
Großen Respekt und ein dickes Danke an die Truppe, den Planer, die Fahrer und auch das Hüttenpersonal für eine wieder mal unvergessliche Tour!

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