Sellrain – von Hütte zu Hütte zu Hütte

Land: Österreich
Datum: 29.07. – 31.07.2017
Region: Stubaier Alpen, Sellrain

Vorgeschichte:
Wie in den vergangenen zwei Jahren auch, plante Chris wieder eine Tour mit seinen Kollegen. Dieses Jahr entschieden wir uns für die Stubaier Alpen. Schon bei der Planung auf der Karte dachten wir uns, dass es eine harte Tour werden wird. Und es wurde sogar noch anstrengender. Zum ersten Mal teilte sich die Gruppe auf, um unterschiedlich anspruchsvolle Wege zu gehen.

Verlauf der Tour:
St. Sigmund – Pforzheimer Hütte bzw. Kühtai Parkplatz Ortsmitte – Schweinfurter Hütte – Pforzheimer Hütte
Pforzheimer Hütte – Westfalenhaus – Winnebachseehütte
Winnebachseehütte – Westfalenhaus – Praxmar

Tag 1 / St. Sigmund – Pforzheimer Hütte (bzw. Kühtai Parkplatz Ortsmitte – Schweinfurter Hütte – Pforzheimer Hütte)
Um 4:30 Uhr fuhren wir gemeinsam los, um dann gegen 9 Uhr in Kühtai zu sein. Dort bekamen wir, trotz einer Xletix Veranstaltung, gleich einen Parkplatz in der Ortsmitte. Geplant war, von dort direkt los zu marschieren. Da die 1. Etappe auf etwa 7h ausgelegt war und mir dies in diesem Jahr zu viel war, entschied ich mich dafür, den einfachen Aufstieg ab St. Sigmund zu nehmen, der mit nur 2,5h Stunden veranschlagt war. Somit trennten sich zunächst unsere Wege. Die ersten sechs zogen los, um über die Schweinfurter Hütte aufzusteigen, Bärbel und ich machten uns auf den Weg zur leichten Etappe. Wir nahmen den Bus um 9:44, um keine 15 Min. später in St. Sigmund zu sein, wo unser Aufstieg begann.
Die Hütte stand zunächst nicht angeschrieben, dennoch kann man den Weg kaum verfehlen, da es nicht viele Varianten gibt. Also steuerten wir zunächst auf den Weg zu, der in den Wald hineinführt und später auf einen Fahrweg stößt, der zu den Gleirschhöfe führt. Von dort folgten wir weiter dem Gleirschbach, der uns geradewegs zur Materialseilbahn der Pforzheimer Hütte führte. Der Weg ist breit und einfach zu bewandern. Die Umgebung gestaltet sich idyllisch mit Pferdekoppeln, Bergpanorama und Flussmusik. Ab der Materialseilbahn überquerten wir noch zwei kleine Holzbrücken und nahmen dann den Schlussanstieg zur Hütte in Angriff. Gegen 12:30 Uhr trafen wir auf der Hütte ein. Nach einem ersten erfrischendem Getränk bezogen wir das Lager, nahmen eine Dusche und legten uns dann gepflegt in die Hängematten vor der Hütte, für einen Mittagsschlaf. Zur Krönung des Ganzen gab es danach noch ein leckeres Stück Kuchen. Das nenn ich Luxus. Ob die anderen es auch so schön haben auf ihrer Variante der 1. Etappe? Wohl kaum 🙂
Gegen 16:30 Uhr, als wir schon einige nette und humorvolle Unterhaltungen mit den Hüttenwirten hatten, trafen die anderen ein. Und sie sahen nicht so entspannt aus wie wir. Aber kein Wunder, bei zwei großen Auf- und Abstiegen und das nach einer kurzen Nacht und langen Fahrt.
Wir verbrachten einen schönen Hüttenabend. Die Bewirtung war sagenhaft. Top organisiert und entspannt, trotz voller Auslastung. Eine Hütte die absolut zu empfehlen ist. Auch die Übernachtung im Winterraum – das Lager hat nicht mehr für alle gereicht – war gemütlich.

 

Tag 2 / Pforzheimer Hütte – Westfalenhaus – Winnebachseehütte
Nach einem entspannten Frühstück starteten wir unsere 2. Etappe um 8:20 Uhr. Zunächst verbrauchten wir viel Zeit für An- und Auszieh-Pausen. Leichter Regen, im Wechsel mit Sonne. Das war zwar besser als Dauerregen aber verbunden mit viel Temperaturschwankungen. Zumindest gefühlt.
Der Weg steigt zunächst sanft an, über weitläufiges, grünes Gelände. Man hat Zeit, gemütlich nach links und rechst zu schauen, ohne vom weg abzukommen. Dann wird es rauher und steiler und entwickelt sich schließlich zu einem fiesen steilen Anstieg, der zum Joch unterhalb der Schöntalspitze, führt. Der Untergrund ist von Schiefer und feinem Geröll bedeckt. Mit Hilfe des Drahtseils und Armkraft zogen wir uns, die Füße gegen die Wand gestemmt, die letzten Meter hinauf. Vorsicht war geboten, um dem Hintermann nicht die losgetretenen Steine entgegen zu schleudern. Ich hatte den Vorteil, dass mir der Rucksack zuvor abgenommen wurde. (Zunächst etwas unangenehm, man will schließlich nicht schwächeln. Aber in dem Fall viel Wert. Vielen Dank dafür.) So war das Manöver erheblich leichter. Vom Joch aus lässt sich die Schöntalspitze in ca. 20 min. erreichen. Ich brach den Versuch ab, den Gipfel zu erreichen. Zu viel Kraxelei und loser Untergrund. Der Kopf sendete an dieser Stelle zu viele „Das musst du dir nicht antun“- Signale.
In leichtem Trab sausten wir auf der anderen Seite wieder hinab. Bis dato hatten wir ca. 3,5h Gehzeit hinter uns. Das Westfalenhaus bereits im Blick, trennten wir uns erneut. Die Hälfte der Gruppe entschied sich dafür, den geplanten Weg zu nehmen und ab dem Westfahlenhaus über den Hohen Seeblaskogel aufzusteigen. Wir anderen strebten den „einfacheren“ Weg über das Winnebachjoch an. Weitere 4h Gehzeit standen uns bevor. Das hatte ich etwas unterschätzt. Mit müden Beinen, schwindender Energie und mangelnder Konzentration stiegen wir hinauf zum Joch. Es geht permanent Bergauf. Zunächst über einen grünen Pfad, der dann in Gestein und Blockwerk übergeht. Trittsicherheit und Konzentration wurden gefordert. Genauso unwegsam ging es nach dem Joch wieder bergab. Uns graute schon vor dem nächsten Tag, an dem wir diesen Teil zurücklaufen würden. Aber erst einmal ankommen und Schuhe ausziehen, dann sieht die Welt schon wieder anders aus.
Gegen Ende geht es auf flachem Wege Richtung Hütte. An dieser Stelle verändert sich die zuvor noch karge Landschaft in lieblichere Gefilde. Begleitet von einem rauschendem Fluss und saftig grüne Wiesen – manchmal möchte man eine Kuh sein – strebten wir die Hütte an. Natürlich nicht, bevor wir nicht einmal die Hände im kühlen Nass hatten und kurz auf der Rentnerbank, die am Rande des Weges steht, platz genommen hatten. Ein Blick in die Landschaft und man weiß wieder, warum man es jedes Jahr wieder aufs neue macht 🙂
Erneut gab es zur Belohnung des Tages Kuchen, Johann und isotonisches Gerstenbräu. 1h später kam auch der Rest der Mannschaft an. Es muss wohl ein schöner Abschnitt gewesen sein aber auch sehr anstrengend mit steilen Anstiegen. Während wir gemütlich und frisch geduscht (der ein oder andere kalt) in der Hütte saßen, konnte man durch das Panoramafenster dem Regen zuschauen. Das steigert den Wert einer schönen Unterkunft gleich enorm. Auch diese Hütte war voll belegt und wieder war dies für die Hüttenwirte kein Hindernis, strukturiert zu sein und ein super Essen zu zaubern. Was Wetter und Essen betrifft, hatten wir bis jetzt wirklich Glück.

 

Tag 3 / Winnebachseehütte – Westfalenhaus – Praxmar
Auch dieser Tag versprach ein guter zu werden. Kein Regen in Sicht. Stimmung ist gut und alle stehen pünktlich um 8 Uhr zum Abmarsch bereit 🙂 der letzte Tag. Abstieg nach Praxmar. Zunächst ging es auf demselben Weg wie am Vortag – zumindest für eine Hälfte der Gruppe – zum Westfalenhaus. Der Weg, der einem am Tag zuvor noch anstrengend und zermürbend vorkam, war einfacher als erwartet. Ob es nun an der anderen Blickrichtung, dem frischen Morgen oder der Unverbrauchtheit lag, ist schwer zu sagen. Aber lieber unerwartet besser, als andersherum. Also erst einmal hoch, dann wieder runter und eine Rast im Westfalenhaus bzw. vor dem Westfalenhaus auf der Sonnenterrasse. Noch ein paar Tipps vom Hüttenwirt eingeholt, zwecks der Rückfahrt von Praxmar nach Kühtai und weiter gehts`. Am Berghang entlang, geht es auf einem schmalen Pfad zielstrebig geradeaus. Den Blick auf grüne Hänge gerichtet. Ein paar Mal musste man Kuhzäune überwinden, die an der ein oder anderen Stelle eine abenteuerlich Steighilfe hatten, in Form von wackeligen Holzbrettern. Die Landschaft wird zunehmend grüner. Zunächst durch Latschen – das erste Mal auf dieser Tour, dass der vertraute Duft einem in die Nase steigt – und später dann durch grünes Dickicht und Wald, hatte fast schon was von Dschungel. Am Ende wurde es doch etwas eintönig und ich wurde etwas langsamer. Die anderen hatten ein Tempo drauf…wo soll das noch hinführen? Also einen Gang zurück schalten und im Rhythmus weiter gehen. Mit dem Ziel Praxmar im Visier, warteten die anderen bereits auf der Pausenbank. Geschlossen ging es zum Gasthof, um dort nach einer Fahrgelegenheit nach Kühtai zu fragen, da der Bus um 13 Uhr bereits durch war und der nächste erst um 16 Uhr fahren sollte. Wir bekamen einen VW Bus mit Fahrer gestellt, der uns direkt zum Parkplatz in Kühtai fuhr. Das passt gut. Und das Beste daran, für die 10€ pro Person bekamen wir gleich noch individuelles Sightseeing und einen Einblick in die Geschichte des Sellrains – sofern man seinen Dialekt verstehen konnte.

 

Fazit:
Wie sagte Stefan so schön: „Eigentlich heißt es Hütte zu Hütte Wanderung. Bei uns heißt es von Hütte zu Hütte zu Hütte Wanderung“. Das trifft es ziemlich auf den Punkt 🙂 Es waren lange und anstrengende Etappen dabei (je nach Variante), die einen schon herausfordern konnten. Sowohl mental, als auch körperlich. Aber mit so einer Truppe ist auch das gut zu meistern.
Teilweise fand ich die Streckenabschnitte etwas eintönig, da es immer wieder lange Passagen gab, die sich wenig verändert haben bzw. weit im Voraus einzusehen waren (man konnte die Anstrengung förmlich sehen). Aber vielleicht lag es auch an meiner weniger guten Form in diesem Jahr. Die Einschätzung von solchen Touren sind doch immer wieder eine sehr subjektive Geschichte und Erzählungen darüber können sehr unterschiedlich ausfallen, je nach persönlichem Fitnesslevel und Wahrnehmung. Aber spätestens, wenn man sich die Fotos anschaut, so ganz entspannt und gut erholt, freut man sich darüber, dass man wieder eine Tour gestartet hat und noch dazu in so netter Gesellschaft. Danke dafür!

 

Einen alternativen Einblick in die Tour gibt’s von Christian hier:  Sellrain – alternative Einblicke in die Tour

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