3 Tage Karwendel

Land: Österreich
Datum: 08.- 10. August 2015
Region: Tirol

Vorgeschichte:
Karwendel (32)Eine schöne und entspannte Weihnachtsfeier, ein paar Wanderbegeisterte, ein Gedanke. So nahm die Tour ins Karwendelgebirge ihren Anfang.

Nachdem wir uns also im Dezember letzten Jahres zu einer gemeinsamen Bergtour verabredeten, feilten Chris und sein Chef in diesem Jahr eine anspruchsvollen Bergtour aus. Und das war sie dann auch. Von Chris top geplant und von allen ohne größere Verluste durchgeführt, haben sich wieder einmal die Strapazen gelohnt.
Von Innsbruck fuhren wir mit Hungerburgbahn hinauf zum Hafelekarhaus. Von dort aus starteten wir zu Fuß zum 1. Ziel, dem Hallerangerhaus. Es ging vorbei an der Rumer Spitze, über das Stempeljoch und weiter auf dem Wilde-Bande-Steig zum Lafatscherjoch. Am 2. Tag verlief der Weg an der Kastenalm vorbei zur Birkkarspitze und weiter zum Karwendelhaus. Der Abstieg nach Mittenwald am 3. Tag verlief über den Gjaidsteig, hinauf zum Wörnersattlel, über die Hochlandhütte hinunter zur Bergbahnstation in Mittenwald.

Tag 1 / Innsbruck – Hallerangerhaus
Nur der frühe Vogel fängt den Wurm. Getreu dem Motto fuhren wir am Samstag in der Früh, zu acht nach Innsbruck. Unter uns auch ein paar Berg-Neulinge. Nach der Fahrt mit der Hungerburgbahn ging es gegen 11 Uhr richtig los. Der rote Wanderweg verlief auf schmalem Pfad über grüne Hügel mit dösenden Schafen und an Geröllhängen entlang, begleitet von teils ausgesetzten Stellen. Eine fantastischen Aussicht und Sonnenschein ließen den Alltag sofort vergessen.
Karwendel (1)Einem unserer Mitwanderer ging es leider nicht besonders gut. Gepuscht durch Powergel, Gepäckverteilung und Motivationsansagen, kämpfte er sich gut durch und wir kamen zügig voran. Vom Kreuzjöchl ging es steile Serpentinen hinab. Erschwert wurde das Gehen durch das feine Geröll das einiges an Technik und Konzentration verlangte. Der ein oder andere Ausrutscher war dabei. In einer der Kurven verlor ich den Halt und segelte ein kleines Stück hinab. Ich bekam mich mit dem Schuh an einem Stein gebremst und kam so glimpflich davon. Ein kurzer Schreck, zwei kleine blaue Flecke und ein verbogener Stock waren zum Glück alles. Wer Schwierigkeiten hat auf Geröll zu laufen, lernt es (oder verflucht es) spätestens im Karwendel, welches geprägt ist von solchen Passagen.Karwendel (8)
Wir steigerten nochmals unser Tempo, da Wolken hereinzogen und für den Nachmittag vereinzelt Gewitter angesagt waren. Also raus aus den Eisen und weiter zum Abstieg, der vor Ankunft an der Hütte absolviert werden muss. In guter Stimmung erreichten wir die Hütte gegen 16.30 Uhr. Genossen in vollen Zügen unser Ankunftsbier, den mega leckeren Kuchen von unserem Geburtstags“kind“ und eine tolle Aussicht. Etwas später kam dann tatsächlich das angekündigte Gewitter und der Regen. Perfektes Timing. Wir hatten derweil einen gemütlichen Hüttenabend mit Kartenspiel.
Es war ein guter erster Wandertag, der durch die Fahrt mit der Bergbahn bereits auf einer Höhe von 2269m begann und sowohl von der Beschaffenheit des Weges als auch von der Gehzeit her gut machbar war.

Tag 2 / Hallerangerhaus – Karwendelhaus
Die Königsetappe begann am Morgen nach dem Frühstück um kurz vor 8 Uhr und das Wetter zeigte sich von seiner schönsten Seite. Nachdem die ersten Blasen vom Vortag getapet waren ging es los.
Karwendel (15)Idyllisch im grünen gelegen und gegen Ende begleitet von einem Wasserlauf, stiegen wir zunächst knapp 500hm hinab. Auf dem breiten und einfach zu begehenden Weg gaben wir etwas Gas und kamen so vor der angegebenen Zeit unten an. Weiter ging es konditionsschonend vorbei an Latschenkiefern und langsam gewann der Weg an Höhe. Der erwarte Anstieg von 1400hm nahm seinen Lauf. Das Geröll war am Anfang noch griffig und man hatte guten Halt. Dann wurde es zunehmend schwerer, da das Geröll immer feiner und das Gelände steiler wurde. Erschwerend kam hinzu, dass der Pfad kaum bis garnicht angelegt war. Serpentinen suchte man vergeblich und so ging es geradewegs hinauf. 1 Schritt vor, 2 zurück – die erste Pause war wohlverdient und nötig für eine kurze Regeneration. Karwendel (22)Das Panorama um uns herum war fantastisch. Mich hielt es kaum auf dem Platz. Ein Foto hier, noch ein Foto dort. Diesen Rundumblick einzufangen gelingt nur schwer, man muss es erleben und in sich aufnehmen. Bis zum höchsten Punkt der Etappe, der Birkkarspitze, war es noch ein ganzes Stück Arbeit. Es ging weiterhin über Geröll, das mitunter die Nerven blank legen konnte. Doch es hilft nichts, Zähne zusammen beißen und zügig vorwärts, denn Stehenbleiben bedeutete meist auch, ein Stück abzurutschen. Im letzten Abschnitt bis zum Fuß der Spitze, sowie hinauf auf diese, musste man etwas kraxeln. Ein Gipfel zu erklimmen fühlt sich einfach gut an, auch wenn man dabei das Gefühl hat im eigenen Schweiß zu zerlaufen. Ja, wenn man das jetzt so ließt frägt sich der ein oder andere vielleicht, warum man sich so etwas antut. Doch bei Kaiserwetter und Weitblick ist diese Frage schnell vergessen.Karwendel (29)
Es folgte ein langer und steiler Abstieg, bei dem es mir etwas mulmig wurde. Konzentration und Trittsicherheit waren gefragt, sowie etwas Mut, wenn man zügig voran kommen wollte. Ein paar von uns trabten zielstrebig und geschmeidig wie die Gemsen hinab. Das steht bei mir noch auf der „zu lernen“ – Liste. Im flacheren Teil kam ich dann auch wieder gut voran und es wurde zunehmend grüner. Bis zur Hütte war es nicht mehr weit. Nochmals ein kleines Stück mit Einsatz der Hände um ein paar Windungen herum und dann tauchte die Hütte wie aus dem nichts auf.
Auf der Terrasse streckten wir die Beine von uns und schwelgten in Zufriedenheit. Geschafft.
Mit etlichen Runden Uno in der gemütlichen Stube und der Wettervorhersage vom Hüttenwirt persönlich, ließen wir den Tag ausklingen.

Tag 3 / Karwendelhaus – Mittenwald
Karwendel (39)Anderer Tag, gleiche Wetterverhältnisse. Gewitter am Abend, Sonnenschein am Morgen. Der Weg verlief im ersten Abschnitt durch einen Hang voller Latschenkiefern. Die Wurzeln waren noch feucht und der Boden weich. Die Sonne setzte den typischen Latschengeruch frei. Anschließend passierten wir einen sanften grünen Hügel, der mich glauben ließ, dass gleich Heidi und der Ziegenpeter auftauchen. Nach einem kurzen Stop, stiegen wir in den Gjaidsteig ein. Ein schmaler Pfad mit Drahtseil gesichert zieht sich am Hang entlang. Er ist einfach zu begehen, sobald man den Einstieg geschafft hat. Karwendel (45)Gegen Ende des Steigs versuchten sich ein paar von uns als Hirten. Die zwei Schafe die eben noch gemütlich auf dem Weg herumstanden und nichts böses ahnten, wurden kurz darauf vorangetrieben. Das gab ein tolles Bild ab. Als uns dann zum ersten Mal an diesem Tag Leute entgegen kamen, machten die Schafe Platz.
Nach dem Steig hatten wir etwas Orientierungsprobleme. Wir mussten eine Abzweigung verpasst haben oder es war keine vorhanden. Auf jeden Fall waren wir etwas unterhalb des eigentlichen Weges. Wir querten ein Geröllfeld und stiegen ohne Weg das Stück hinauf, das uns vom Weg trennte. Das Geröll war in diesem Abschnitt gut zu begehen und so schafften wir es zügig zum ersten Sattel. Nach einem weiteren Steilen Anstieg erreichten wir auch den zweiten, den Wörnersattel. Im Laufschritt ließen wir die zuvor erklommenen Höhenmeter wieder hinter uns liegen. Der Weg, zum Teil mit Stufen, war gut gepflegt und einfach zu laufen. Karwendel (50)An der Hochlandhütte, als Zwischenziel, angekommen, tankten wir etwas Flüssigkeit auf und erfrischten uns im Wassertrog. Dann traten wir den letzten Abschnitt nach Mittenwald an. Es ging durch den Wald hinab und später wurde der Pfad zum breiten Forstweg. Diese haben meist wenig schönes an sich, doch hier lenkte ein ansehnlicher Wasserlauf von dem Schotterweg ab. Das kühle Nass lud dazu ein, die Füße darin zu baden. Doch das konnten wir uns zeitlich nicht leisten, da uns eine lange Rückfahrt bevorstand. Also nur schauen und weiterlaufen. Im Tal angekommen zweigt der Weg nochmals ab. Auf der einen Seite geht es zu den Kasernen und auf der anderen zur Bergbahnstation. Wir wählten letzteren, da dieser näher zum Bahnhof ist. Jetzt hieß es nur noch Strecke ablaufen. Zwischen Waldrand und Straße geht es hinter einem Zaun entlang. Ein kurzes Stück durch den Ort und der Bahnhof ist erreicht.
Das war nochmals eine lange Etappe, die durch die vielen verschiedenen Abschnitte kurzweilig und abwechslungsreich war. Mit dem Schienenersatzverkehr ging es zurück nach Innsbruck.
Noch ein Abendessen in der Stadt, anschließend das Auto in der Tiefgarage suchen und ab nach Hause.

Fazit:
Eine tolle Tour und bisweilen eine der härtesten die wir gemacht haben. Sie ist keinesfalls zu unterschätzen. Sie ist lang, steinig und es ist immer wieder absolute Konzentration gefragt, sowie gute Kondition. Trittsicherheit und Bergerfahrung ist wichtig. Letzteres hatte zwar nicht jeder von uns, dennoch waren alle konditionell stark und ausdauernd. Und mit Unterstützung unserer hervorragender Guides die immer hilfreiche Tipps parat hatten, für alle von uns machbar.
Chris und ich gewinnen zunehmend an Erfahrung, daher verliert man hin und wieder den Blick dafür, wie die Berge auf Neueinsteiger wirken. Wenn wir inzwischen sagen es ist gut machbar, kann es für andere durchaus grenzwertig sein. Dies ist unbedingt zu beachten. Eine gute Selbsteinschätzung ist daher immer wichtig.

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